INGEBORG PRINZESSIN ZU SCHLESWIG HOLSTEIN

Liebe Prinzessin zu Schleswig-Holstein, Sie verfügen über eine ganz besondere Form der Wahrnehmung… Sie können Zahlen und Musik als Farben wahrnehmen. Inwieweit stellt dieses Phänomen, Synästhesie genannt, für Sie eine Belastung oder Bereicherung dar?

Diese Frage kann ich kaum beantworten, da ich den Zustand des „normalen“ Farbverständnisses ja nicht erlebt habe. Ich denke, es ist wundervoll, Farben so intensiv erleben zu können, Intensität ist doch etwas per se sehr Positives. Und beim Malen ist es mit Sicherheit ein ungeheures Geschenk, so differenziert und sensibel wie möglich mit Farben umgehen zu können. Für mich sind Farben wie ein emotionales Zuhause, daher sind sie auch mein hauptsächliches Ausdrucksmittel.

Sie malen bevorzugt großformatige Bilder voll mit intensiven Farbwelten. Einerseits arbeiten Sie hochgeistig „aus der Stille heraus“ in Ihrem Atelier, andererseits ist Ihre Arbeit sehr körperlich, da Sie unter anderem mit Siebdruck arbeiten und alleine diese großen, schweren Leinwände bewegen und bearbeiten. Was gibt Ihnen der handwerkliche Aspekt des Schaffens?

Beides gehört für mich untrennbar zusammen. Meine Bilder entstehen, wie Sie richtig sagen, aus einer Stille heraus, aus einem unendlichen Fundus des Inneren. Um aber an den Fundus heranzukommen, ist die handwerkliche Tätigkeit sogar eine große Hilfe, eine Art Schlüssel. Diese Tätigkeiten
wie Leinwandspannen, Grundieren, Farben anrühren und alles was dazugehört, ist eine gute Form der Einstimmung, des Zulassens des Flusses, den es braucht. Das klingt ziemlich Old School, ist es wohl auch. Es ist ebenso Old School wie es Meditation ist oder auch Musikhören. Damit eröffnen sich ebenfalls Welten, die man ohne stilles Zuhören niemals erleben könnte. Beim Bildermalen oder beim Bildermachen ist oft das Nichtstun das allerwichtigste. Manchmal starre ich einfach, bis ich wieder weiter weiß, und zum Starren ist man besser alleine!

Sie haben einmal erwähnt, dass Sie im kreativen Prozess auch an Ihre körperlichen und seelischen Kräfte gehen. Was hilft Ihnen dabei sich wieder aufzuladen?

Oh, ganz vieles! Manchmal ist es einfach weitermachen, manchmal ist es meine Familie. Oder Schwimmen, Musik, Sonne und Licht und Farben! Natur ist eine wunderbare Ladestation. Manchmal braucht es auch einfach nur Zeit.

Sie verfügen über ein starkes Farbgedächtnis und eine besondere Beziehung zu Farben. Welche Farbe hat einen besonderen Platz in Ihrem Herzen und in ihrem Repertoire?

In meinem Herzen haben fast unendlich viele Farben Platz, niemals festgeschriebene. Auf meinen Bildern haben eigentlich alle Farben Platz, mit Ausnahme von Brauntönen, die sind mir immer eher fremd. Dominant sind in meinem Atelier allerdings Bilder in tiefem Ultramarinblau und alles
um Rot herum.
Für mich gibt es eine intelligente Farbwelt und eine eher dumme, banale Farbwelt. Letztere versuche ich natürlich zu vermeiden, nicht nur auf meinen Bildern.

Ihre Bilder sind bewusst abstrakt gehalten und sollen zeigen, „was man nicht in Worte fassen kann“. Wird heute zu viel gesprochen und zu wenig „gefühlt“?

Vielleicht ja. Wir konsumieren zu schnell, ganz besonders durch Sprache und durch schnelle Bilder, beides verliert dadurch an Bedeutung und an Kraft. Nehmen sie nur unser aller besten Freund das Handy. Was für eine Flut von Text Messages und schnellen Bilder strömt kontinuierlich durch das Telefon
und damit auch durch uns hindurch. Wir vermüllen nicht nur unseren Planeten, sondern uns selber gleich mit. Deswegen glaube ich in der Kunst an die Stille. Und an die Zeitlosigkeit. Beides ist ein rares Gut.

Für den Zeitraum von zwei Jahren waren Sie die Assistentin von Andy Warhol in New York. Was konnten Sie gegenseitig voneinander lernen?

Bei gegenseitig bin ich mir nicht so sicher…..
Ich habe von Andy Warhol natürlich unendlich viel lernen können. Angefangen vom Spannen der Leinwand, was ich an meiner Kunsthochschule der Siebziger Jahre überhaupt nicht gelernt hatte, das hat er mir wirklich selber beigebracht.
Aber viel wichtiger ist das schwerer Fassbare wie Komposition, das serielle Arbeiten an Bildern und immer wieder Farbverständnis. Warhol war ein wirklich großartiger Kolorist, ähnlich großartig wie Matisse.

Neben Ihrer Arbeit als Künstlerin, verfolgen Sie eine weitere Herzensangelegenheit. Sie sind Vorsitzende des Vorstands von Louisenlund, einem Vorzeige Internat, welches Ihr Großvater gegründet hat. Welches ist Ihre wichtigste Erfahrung beim Erziehen von Heranwachsenden?

In Louisenlund sehen wir in jedem unserer Schüler immer die ganze Person: jeden in seiner Eigenheit.
Ein Schlüssel ist vielleicht, dass Kinder sich am besten entwickeln, wenn sie angstfrei heranwachsen können. Kinder die angstfrei sind, lernen gut.
Auch bin ich überzeugt, dass man in der Kindheit nicht nur Mathe und Französisch lernen sollte, das natürlich auch, aber ebenso sollten Kinder lernen, ein gesundes Selbstbewusstsein zu entwickeln. Wer sich seiner selbst bewusst ist, wird stark und kann auch für andere stark sein. In Louisenlund liegt uns besonders am Herzen, dass unsere Schüler lernen, Verantwortung zu übernehmen, für sich und auch für andere
und für die Gemeinschaft. Um das zu lernen, haben wir zum Beispiel eine eigene Feuerwehr, in der man sich bewehren kann und auch die Befriedigung erleben kann, ein wichtiges Mitglied einer größeren Gemeinschaft zu sein, in der man wirklich gebraucht wird. Nach dem Motto „real problems for real people “. Und ich bin überzeugt, dass man lernen kann glücklich zu sein. Auch Glück kann man einüben! Ich hoffe,
dass viele Kinder das in Louisenlund tun. Das ist doch wirklich lohnend!

Der friendly hunting claim, der das Herz unserer Marke ist und der unsere persönliche Weltsicht aufzeigt, lautet for people with positive attitude. Wir verstehen darunter, dass die Dinge nicht immer ideal liegen mögen, aber dass man an seiner persönlichen Einstellung dazu arbeiten kann und sich dadurch ständig weiterentwickelt. Von Ihrem heutigen Standpunkt aus betrachtet – gibt es eine Konstante, ein Motto, welches Sie immer begleitet ?

„Do it your own way“!

Seinen eigenen Stil zu finden und zu verfeinern ist angewandte Lebenskunst. Wer oder was hat Sie bei Ihrer eigenen Stilbildung geprägt und inspiriert?

Das ist schwer zu beantworten, weil Stil ja etwas sich langsam entwickelndes ist. Stil ist der Ausdruck der Persönlichkeit, vielleicht ein Nebenprodukt des Charakters. Stil hat nichts mit Mode zu tun, Stil entwickelt sich gerade nicht aus dem angepasst sein, sondern aus dem Eigenen, aus dem Individuellen. Vielleicht gerade aus dem Nicht-Angepassten, Manchmal aus den herrlichen Fauxpas, die die Würze des Lebens sind!

„Das gelungene Leben“…. Was gehört dazu?

Zuerst würde ich es mit dem „gelingendem Leben versuchen…! Das „ gelungene “ist zu retrospektiv, da sind wir zum Glück noch nicht….
Ich habe von meiner klugen Mutter gelernt, dass das Wasserglas immer besser halbvoll ist. Das es immer besser ist das Positive herauszufinden und das Negative auch mal links liegen zu lassen. Und das gepaart mit einer Portion Mut und Gottvertrauen trägt ganz gut durchs Leben.

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