Dr. Auguste von Bayern

Dr. Auguste von Bayern

Auguste Prinzessin von Bayern lebt mit ihrer Familie und ihren Brüdern auf dem
altehrwürdigen Schloß Leutstetten. Das dazugehörige Gut hat ihr Ururgroßvater,
der letzte bayerische König, Ludwig III., mit seiner Landwirtschaft als Mustergut
ausgebautDie junge Prinzessin ist promovierte Kognitionsforscherin, erforscht also
das Denkvermögen von Tieren, insbesondere von Vögeln. Mit etwa siebzehn wurde
ihr im Biologie Leistungskurs als Facharbeit ein praktisches Forschungsprojekt über
die Aufzucht von Kanadagänsen erlaubt. Das hatten sich die Lehrer wohl etwas anders
gedacht… Gänse sowie auch Enten sind nach dem Schlüpfen auf die erste Kontaktperson
geprägt und müssen immer in der Nähe ihrer „Mutter“ bleiben. So war
Auguste einen Sommer lang die Mutter von fünf Gänsen, die sie einfach überall hin
begleiteten. Also verbrachte sie die Schulstunden auf dem Pausenhof. Nachts hat sie
im Garten bei ihren Babys geschlafen, tagsüber ist sie mit ihnen spazieren gegangen,
hat sie ein paarmal am Tag zum Schwimmen gebracht und ihre Wildgänse so lange
betreut, bis diese im Herbst selbständig losgezogen sind.
Für friendly hunting hat sich die Prinzessin zu einem Interview bereit erklärt, ich
habe sie auf Schloß Leutstetten besucht. Zwischen ihren drei kleinen Buben und
einem riesigen schwarzen Briard (das ist ein Hütehund) läßt sie sich ganz gelassen
auf unser Gespräch ein und erzählt mir diese Geschichte.

# Interview

ST: Wie ist das mit Vögeln, kommen die an ihren bekannten Nestplatz zurück?

AB: Schwalben als Zugvögel beispielsweise kommen ein Leben lang als Paar an ihren Brutplatz zurück. Gänse machen sich jedes Jahr neue Brutplätze, die sind monogam und bleiben ein ganzes Jahr zusammen.

ST: Jahr oder Leben?

AB: Jahr und Leben. Gänse, Schwäne aber auch z.B. Krähen sind auf Lebenszeit mit demselben Partner verpaart und verbringen auch Ihr ganzes
Leben zusammen, d.h. sind quasi unzertrennlich. Dahingegen sind beispielsweise Storche monogam, aber treffen sich jedes Jahr nur zur Brutzeit am Nest wieder, während sie das Jahr hindurch sonst ihre

ST: Wie bist Du denn auf Federvieh gekommen?
AB: Ich war von klein auf von allen Tieren angetan, aber Vögel haben mich besonders begeistert. Schon als Fünfjährige hatte ich eine Hausgans, die mich überall hin begleitet hat. Sie hieß Schneewittchen, wurde aber ein Schneewitterich und war unglaublich klug. Sie hat im Garten gelebt und ich mit ihr.

ST: Und über die Hausgänse und Wildgänse bist Du dann auf die Dohlen gekommen?
AB: Ich wusste von meinen Großeltern, dass Dohlen extrem klug und gelehrig sind, wenn man aus dem Nest gefallene Jungen großzieht. Ich hatte die Gelegenheit meine Promotion in Cambridge über das Denkvermögen und die Intelligenz von Dohlen zu machen, also in den Kognitionswissenschaften. Momentan arbeite ich an der Evolution von Denkfähigkeiten und Intelligenz von Papageien.

ST: Hast Du noch eine Krähe?
AB: Ich habe eine Pflegekrähe, die man leider wegen einem Federdefekt noch nicht auswildern kann! – und jede Menge wilde Dohlen, die hier brüten, weil ich ihnen Nestboxen angelegt habe. Und dadurch hat sich eine große Kolonie hier etabliert. Außerdem haben wir neben unserer Hühnerschar, die uns komplett mit Eiern versorgen (und Kaninchen für die Ostereier), ein Pfauenpaar mit zwei Jungen in unserm Garten.

ST: Wofür brauchen wir Menschen Raben?
AB: Das ist eine interessante Frage… Aber sie ist falsch gestellt. Wir Menschen haben die Tendenz, uns an die Spitze der Schöpfung zu stellen und die Natur danach zu beurteilen, was für uns gut erscheint. Was dem Menschen auf den ersten Blick nicht nützt, kann weg. Aber dabei vergessen wir,
daß alle Lebewesen auf diesem Planeten irgendwie miteinander vernetzt sind. Alles ist ein großer Kreislauf des Lebens, ein kompliziertes Netz, vielschichtig miteinander verwobener Ökosysteme, in dem jedes Lebewesen eine Rolle spielt, da sie die anderen Lebewesen und ihre Evolution beeinflusst haben. Wenn man also Ökosysteme verändert, in dem man bestimmte Lebewesen herausnimmt oder ihre Lebensräume
verändert, kann es passieren, dass das gesamte Ökosystem in ein Ungleichgewicht kommt und schlimmstenfalls zusammenbricht und seine
Funktionen oder auch „Ökosystemdienstleistungen“ (von denen letztendlich der Mensch profitiert) nicht mehr erfüllen kann. Dann sterben vielleicht ganz viele Arten eines Ökosystems gleichzeitig aus. Natürlich kommt es auch auf natürlichem Wege vor, dass Arten aussterben. Die Evolution ist ein dynamischer Prozess und wenn sich der Lebensraum für eine Spezies so schnell verändert, dass sie sich nicht anpassen kann, dann stirbt sie aus. Es gibt sogar von Wissenschaftlern errechnete Referenzwerte dazu, wie viele Arten auf der Welt jedes Jahr „natürlich“ aussterben.

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